Renault R4 - Poppige Kultmobile

25.05.2018 - Wolfram Nickel/SP-X

Der Name Méhari ist in Nordafrika die Bezeichnung für ein Dromedar. Wie dieses genügsame, ausdauernde Tier sollte der Citroen Méhari nicht nur Freizeitmobil, sondern auch Nutzfahrzeug sein. Mit ihm feiert auch der kultige Renault R4 Plein Air 50. Geburtstag.

Im Fall des Renault Plein Air reichten 563 verkaufte Exemplare zum KultstatusSP-X/Köln. Während 1968 in Paris Studenten zur Revolution aufriefen, präsentierten Citroen und Renault mit den Modellen Méhari und R4 Plein Air fröhliche Spaß- und Strandmobile, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Die popfarbenen Fahrzeuge wurden Kult, nicht nur bei Hippies und Surfern.   

Citroen hatte für die offenherzige Modellvariante von Dyane und 2 CV ein kühnes Karosseriekleid in neuartigem Kunststoff gewählt. Die Frontscheibe des 3,53 Meter kurzen Freizeitautos konnte wie bei klassischen Jagdwagen auf die Motorhaube abgeklappt werden. In seiner 20-jährigen Erfolgsgeschichte wurde er 145.000 Mal verkauft. Dagegen genügten dem zeitgleich vorgestellten Renault 4 Plein Air gerade einmal 563 Käufer, um Kult zu werden. Zu großer Auflage und einem ernsthaften Méhari-Rivalen avancierte dann der 1970 lancierte Renault 4 Rodeo.

Der schnatternde Zweizylinder-Boxer im Citroen 2 CV und der frugale Vierzylinder im Renault 4 lieferten vor 50 Jahren den automobilen Soundtrack zur studentischen Revolte. Waren es doch vorzugsweise diese PS-Verweigerer, die Demonstranten zu Sit-ins und Barrikadenkampf beförderten - und gleichzeitig Professoren auf die Uni-Parkplätze.  Allerdings brachte es der Méhari zur Enttäuschung der Gauloises rauchenden Jugend und aller Surfer aufgrund seiner nicht feuerfesten Karosserie aus ABS-Kunststoff nicht zu einer allgemeinen Betriebserlaubnis in Deutschland, konnte nur mühevoll per Einzelzulassung akkreditiert werden. Auch die vom französischen Karosseriespezialisten Sinpar in Handarbeit und somit in limitierter Stückzahl realisierte, offene Renault-4-Mutation Plein Air kam nur in wenigen Exemplaren nach Allemagne.

Ohne festes Dach, Fenster und Türen war der der 3,56 Meter kleine Renault 4 Plein Air ein verführerischer Hingucker. Ein scheinbar perfektes Beachtoy für Badegänge und Bistrobesuche oder den Surfboardtransport. Weshalb Renault sein gerade einmal 19 kW/26 PS leistendes vierrädriges Sonnensegel – das Verdeck bestand aus simplem, flatterfreudigen Tuch – ab 1969 auch nach Nordamerika exportierte.

Der 21 kW/28 PS starke Méhari vertraute auf vier angetriebene Räder - zumindest seit er sich ab 1979 auf den Einsatz bei der Rallye Paris-Dakar vorbereitete und neue Aufgaben bei Armee und Polizei bewältigen musste. Vorher genügte dem 525 Kilogramm leichten Plastikgefährt der aus dem 2 CV adaptierte Vorderradantrieb.  Wie schon der 2 CV war der Méhari explizit für den Transport landwirtschaftlicher Produkte vorgesehen. Mit vier Antriebsrädern, Differentialsperre an den Hinterrädern und sieben Vorwärtsgängen durften es gerne auch einmal Steigungen von über 60 Prozent sein, die das „Dromedar“ bei der Fahrt zum Bergbauernhof absolvierte. Für die Reinigung war der Fahrgast- und Laderaums mit Wasserabläufen versehen, so genügte nach Offroadtouren oder Tier- und Strohballentransporten der Einsatz eines Wasserschlauchs.

Während Renault den Plein Air nach wenigen Jahren durch den Rodeo ersetzte und dieser sich vom Rodeo 4 über den Rodeo 6 zum Rodeo 5 entwickelte, begnügte sich Citroen bei seiner Kunststoff-Ikone mit kleinen Pflegemaßnahmen. So gab es mit Einführung des Zweizylinders aus dem Citroen Visa eine Leistungsspritze auf 25 kW/34 PS. Hinzu kamen im Sommer 1983 zwei Sonderserien, der weiß-blau glänzende Méhari Azur für die französischen, italienischen und portugiesischen Surf-Fans sowie der Méhari Plage als spanisches Strandauto. 

(Wolfram Nickel/SP-X)

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